Als häufigster Grund für das Entstehen einer akuten Verstopfung bei Kindern wird falsche Ernährung, zu wenig trinken und Bewegungsmangel angeführt. Wie du diesen Auslösern am besten vorbeugen kannst, hängt natürlich vor allem vom Alter deines Kindes ab. Doch wie viel sollte dein Kind wirklich trinken und wie schaut es mit der Ernährung aus?

KINDER UNTER 1 JAHR

Trinkmenge

Voll gestillte Kinder brauchen keine zusätzliche Flüssigkeit. Wenn sie nach Bedarf gestillt werden, holen sie sich alles, was sie brauchen, aus der Muttermilch. Mit Einführung der Beikost ist es jedoch sinnvoll, zusätzlich Wasser anzubieten.

Die deutsche Gesellschaft für Ernährung  empfiehlt als Richtwerte folgende Flüssigkeitszufuhr pro Tag:

Alter in Monaten durch Getränke durch feste Nahrung Insgesamt
0 bis unter 4 Mo 620 ml/Tag 130 ml/kg
4 bis unter 12 Mo 400 ml/Tag 500 ml/Tag 110 ml/kg

Dabei handelt es sich um einen Durchschnittswert – ein Kind, das noch häufig stillt, benötigt im Vergleich natürlich deutlich weniger zusätzliches Wasser als eines, das z.B. schon drei Beikost-Mahlzeiten pro Tag isst.

Ernährung

Wenn dein Kind noch unter 1 Jahr ist, lies bitte hier bei Beikost-Start weiter.

ACHTUNG

Bei manchen Kindern – vor allem zu Beginn der Beikost – können folgende Lebensmittel stopfend wirken:

– Karotte (hier kann alternativ mit Zucchini begonnen werden)
– Kürbis
– Kartoffel
– Banane

KINDER ÜBER 1 JAHR

Wenn dein Kind bereits normale Mengen isst, dann kannst du dich an den folgenden Empfehlungen für Kinder und Jugendliche orientieren:

Trinkmenge

Die deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt als Richtwerte folgende Flüssigkeitszufuhr pro Tag:

Alter in Jahren durch Getränke durch feste Nahrung Insgesamt
1 bis unter 4 820 ml/Tag 350 ml/Tag 95 ml/kg/Tag
4 bis unter 7 940 ml/Tag 480 ml/Tag 75 ml/kg/Tag
7 bis unter 10 970 ml/Tag 600 ml/Tag 60 ml/kg/Tag
10 bis unter 13 1170 ml/Tag 710 ml/Tag 50 ml/kg/Tag
13 bis unter 15 1330 ml/Tag 810 ml/Tag 40 ml/kg/Tag
15 bis unter 19 1530 ml/Tag 920 ml/Tag 40 ml/kg/Tag

Dein Kind ist ein schlechter Trinker? Tipps und Tricks, wie du die empfohlene Menge an Flüssigkeit in dein Kind bekommst, findest du hier.

Und was soll mein Kind trinken?

Diese Getränke sollten bevorzugt werden:

  • Wasser
  • Mineralwasser
  • frisch gepresste Obstsäfte (z.B. Orangensaft)
  • stark verdünnte Fruchtsäfte
  • Tee (Kein Flaschen-Eistee)

Eher ungünstig sind:

  • Zuckerhaltige Getränke, wie z.B. Cola, Fanta, Sprite, Dicksäfte/Verdünnungssäfte, Eistee
  • Schwarztee, Grüner Tee
  • Milchkakao und Wasserkakao
Und was soll mein Kind essen?

Eine gesunde, ausgewogene Ernährung ist wichtig. Oft essen wir von vielen Lebensmitteln eher zu viel, von den ballaststoffhaltigen, verdauungsfördernden hingegen meist zu wenig. Bei beginnenden Problemen mit Verstopfung kann eine Umstellung der Ernährung Sinn machen.  Das Allerwichtigste ist jedoch die Erhöhung der Trinkmenge.

Diese Lebensmittel sollten bevorzugt werden:

Ballaststoffreiche Lebensmittel, wie z.B.:

  • Vollkornprodukte (Vollkornbrot, Vollkornnudeln, Vollkornreis, …)
  • Frisches Obst – je nach Saison (z.B. Birne, Apfel, Melone, Marille/Aprikose, Feige, Zwetschge/Pflaume)
  • Dörrobst – auch eingeweicht oder püriert (z.B. Zwetschge/Pflaume)
  • Frischgepresste Säfte
  • Sauermilchprodukte (z.B. Naturjoghurt mit frischen Früchten, Kefir, Buttermilch, Sauermilch)
  • Rohes und gekochtes Gemüse (z.B. Tomate, Gurke, Kohlrabi, Paprika)
  • Hülsenfrüchte (z.B. Linsen, Erbsen, Bohnen)
  • Frische Salate
  • Müsli
  • Nüsse

Eher ungünstig sind:

  • Weißbrot (z.B. Toastbrot, Semmel)
  • weißer Reis
  • Teigwaren
  • Knabbergebäck
  • Milch- und Milchprodukte (z.B. Kakao, Schokolade)
  • Süßigkeiten/Naschereien (z.B. Bonbons, Kuchen, Pudding, Cremespeisen)
  • Fettige Speisen (z.B. Pommes, Schnitzel, Würstchen)
  • (getrocknete) Heidelbeere

ACHTUNG

Falls sich dein Kind sehr einseitig bzw. ballaststoffarm ernährt, kann eine Änderung der Essgewohnheiten sinnvoll sein. Ansonsten sind diese Maßnahmen bei den meisten Kindern nicht notwendig. In einer systemischen Übersicht über die Studienlage konnte eindeutig gezeigt werden, dass es keinen Unterschied in der Auswirkung auf die Stuhlfrequenz zwischen Ballaststoffen und Placebos gibt. Das heißt, dass Ballaststoffe allein nicht ausreichen, um eine chronische Verstopfung zu behandeln. (Pijers, Tabbers, Benninga und Berger, 2009)

Im Gegenteil:  Das plötzliche Nichterhalten von Süßigkeiten kann dein Kind wie eine Bestrafung erleben. Deswegen macht es keinen Sinn, diese komplett zu streichen.  Müsliriegel, Rohkostschnitten etc. können z.B. ein guter Ersatz sein.

Um zu überprüfen, ob Eure Ernährung ausgewogen ist, kann es Sinn machen zu einer Ernährungsberatung zu gehen.

Zusätzliche „Hausmittelchen“, die den Stuhl weicher machen können:

  • Ein Glas Wasser auf nüchternen Magen
  • Dosenpfirsich inklusive der Flüssigkeit, in der die Pfirsiche eingelegt sind
  • Pflaumensaft aus der Apotheke
  • Feigensirup (morgens und abends 1 Esslöffel)
  • Fruchtsäurehaltige Getränke (z.B. Orangensaft, Grapefruitsaft, Apfelsaft (auf nüchternen Magen), Traubensaft, Birnensaft)
  • Milchsäurehaltige Nahrungsmittel (z.B. Joghurt, Buttermilch, Sauermilch, Kefir, Sauerkraut, Sauerkrautsaft)
  • Trockenobst – in Wasser angesetzt oder als Kompott, wie z.B. Dörrpflaumen, Dörrfeigen
  • das Wasser, in dem das Trockenobst eingeweicht wurde, kann ebenfalls pur oder in Getränke gemischt getrunken werden
  • Wasserhaltiges Obst und Gemüse (Gurken, Tomaten, Trauben, Melonen, Beeren…)
  • Viel Suppe essen
  • Hafer- oder Weizenkleie (z.B. Hafer Flakes mit Kleie) mit reichlich Flüssigkeit
  • Öl: Einen extra Schuss von einem qualitativen Speiseöl ins Essen (morgens und abends 1 Teelöffel)
  • Kokosöl: 1 TL Kokosöl in warmer Milch schmeckt vielen sehr gut

Und wie ist das mit der Bewegung?

Die Bewegung des Körpers führt in weiterer Folge auch zu einer vermehrten Bewegung des Darmes. Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft, z.B. Spazieren, Herumtollen, Ballspielen fördert also nicht nur das Wohlbefinden deines Kindes, sondern regt auch seine Darmtätigkeit an. Zusätzlich fördert eine Massage des Bauches (im Uhrzeigersinn) den Stuhlgang und wirken zudem sehr entspannend.