Verstopfung im Kindesalter ist ein sehr weit verbreitetes Problem. Bis zu 30% aller Kinder weltweit leiden darunter (Van den Berg et al., 2006). Mädchen und Jungs sind dabei in etwa gleichhäufig betroffen.

Bei mehr als 95% der Kinder mit chronischer Verstopfung, liegt keine organische Ursache zugrunde. In diesem Fall spricht man von einer „funktionellen Obstipation“.

Trotzdem kommen hier natürlich organische Ursachen infrage. Vor allem, wenn die Beschwerden bereits im ersten Lebensjahr auftreten, solltest Du diese auf jeden Fall durch einen Besuch beim Facharzt abklären lassen. Zu den möglichen organischen Ursachen geht es hier.

Am häufigsten beginnt die Verstopfung jedoch in der Altersgruppe, bei denen die Kontrolle über die Ausscheidungsorgane erlernt wird, also zwischen 1 und 4 Jahren (Claßen, 2018).

Jede akute Verstopfung und jede schmerzhafte Erfahrung beim Stuhlabsatz, kann bei Kindern zu einer chronischen Verstopfung führen. Häufig fällt eine akute Verstopfung nicht richtig auf oder wird nicht richtig behandelt und dann entsteht das häufige und viel größere Problem: Die chronische Verstopfung (Obstipation).

Welche Ursachen können zu einer funktionelle Obstipation führen?

Schmerzhafte/unangenehme Erfahrungen am Anus bzw. Schmerzen beim Stuhlabsatz durch z.B.:

  • Windeldermatitis (Wunder Po)
  • bakterielle Infektion im Analbereich ( Streptokokken)
  • Verletzungen bzw. schmerzhafte Einrisse der Haut oder Schleimhaut im Analbereich (Analfissuren)
  • regelmäßige Manipulationen am Anus (Temperaturkontrollen, Zäpfchen, Klysma)
  • inadäquate Therapie einer akuten Verstopfung (z.B. Traumatisierung durch die Gabe von Zäpfchen, Klistiere, Klysmen)
  • festerer Stuhl (z.B. infolge von Fieber, Beikost Einführung, Dehydratation, inadäquates Toilettentraining)
  • sexueller Missbrauch

Akutes Zurückhalten von Stuhl aufgrund von z.B.:

  • Änderungen im bekannten Tagesablauf und somit durcheinandergeraten der üblichen „Klozeiten“
  • nicht Verfügbarkeit einer Toilette
  • fehlende Ruhe für den Stuhlgang
  • Toilettenangst, Toilettenphobie
  • Autonomiephase (streben nach Selbstwirsamkeit)
  • Irritationen beim Sauberwerden (B. zu früh begonnenes Sauberkeitstraining)
  • Stress, egal ob negativ (Distress) oder positiv (Eustress)
    • besonders aufregenden Ereignissen (z.B. Adventszeit, Weihnachten, Ostern, Geburtstag)
    • Urlaub
    • Kindergartenstart
    • Änderungen in der Umgebung des Kindes
    • Änderungen im bekannten Tagesablauf
    • Umzug
    • erneute Berufstätigkeit der Mutter
    • Änderung der Betreuungsperson
    • Änderungen im sozialen Umfeld
    • Scheidung
    • Geburt eines Geschwisterchens

Eine negative Erfahrung in Bezug auf den Stuhlgang reicht oft aus, um den sogenannten Teufelskreis in Gang zu setzen, aus dem die Kinder ohne Hilfe sehr schwer bis gar nicht wieder herauskommen. Was man darunter versteht, kannst du hier nachlesen.