Zum Ausschluss organischer Ursachen muss jedes verstopfte (obstipierte) Kind mit oder ohne Stuhlinkontinenz (Enkopresis) ärztlich untersucht werden (Borowitz et al., 2005). Erste Anlaufstelle sollte hier natürlich der Kinderarzt sein. In vielen Fällen reicht das vermutlich aus, um das Problem gut in den Griff zu bekommen.

Wenn die Verstopfung (Obstipation) direkt nach der Geburt bzw. im frühen Säuglingsalter begonnen hat, ist die Wahrscheinlichkeit einer organischen Ursache hoch – funktionelle Störungen kommen in diesem Alter kaum vor. Hier muss primär ein Spezialist involviert werden (Tabbers et al., 2014).

Was erwartet euch beim Kinderarzt?

Zuerst sollte ein ausführliches Gespräch geführt werden. Im Anschluss daran, sollte eine zielgerichtete körperliche Untersuchung gemacht werden, die gegebenenfalls mit einer Ultraschalluntersuchung (Sonographie) und in manchen Fällen durch eine Blutabnahme ergänzt wird. Mit diesen Instrumenten gelingt es, über die Notwendigkeit und den Umfang der eventuell erforderlichen weiterführender Diagnostik zu entscheiden (Buderus, 2002; Benninga et al., 2004; Tabbers et al., 2014).

Der Kinderarzt sollte dir also zu Beginn in einem ausführliches Gespräch (Anamnese) Fragen zum Beispiel zu folgenden Dingen stellen:

  • aktuelle Beschwerden
  • wann haben diese begonnen bzw. sind wieder aufgetreten
  • konntest du einen Auslöser erkennen
  • Abgang des Kindspeches (Mekonium)
  • Erkrankungen in der Familie (z.B. MH, Verstopfung, Enkopresis)
  • Stuhlgang während der Stillzeit
  • aktuelle Ernährung des Kindes
  • Trinkgewohnheiten
  • Stuhlverhalten (Häufigkeit und Dauer des Stuhlabsatzes)
  • Stuhleigenschaften (Menge, Konsistenz, Form und Geruch des Stuhles)
  • Sonstige Erkrankungen/Auffälligkeiten
  • Medikamente

TIPP

Du kannst ein Ernährungsprotokoll über mehrere Tage erstellen und dieses bei deinem Besuch mitbringen. In diesem Protokoll solltest du vermerken, was, und wie viel dein Kind über den ganzen Tag isst und trinkt!

Im Anschluss sollte er dein Kind körperlich untersuchen:

  • Größe und Gewicht bestimmen
  • Bauch anschauen und abtasten (palpieren)
  • Rücken anschauen und abtasten
  • Popo anschauen
  • Rektale Untersuchung (optional)

Merke

Eine rektale Untersuchung sollte bei traumatisierten Kleinkindern mit schmerzhaften Erlebnissen in Zusammenhang mit dem Stuhlabsatz nur mit Einverständnis des Kindes oder in Sedierung (z.B. auch in Kombination mit weiterer Diagnostik) durchgeführt werden, um das anale Trauma nicht zu vergrößern (Claßen, 2018). In manchen Fällen ist eine rektale Untersuchung zum Ausschluss bestimmter Erkrankungen (z.B. Stenosen) jedoch zwingend notwendig. Eine sorgfältige Inspektion der Haut um den Anus ist aber jedenfalls immer erforderlich.

Mögliche weitere Untersuchungen beim Kinderarzt

  • Ultraschalluntersuchung
  • Blutuntersuchung
  • Stuhluntersuchung
  • Schweißtest (zum Ausschluss von Mukoviszidose)

Bei Hinweisen auf eine organische Ursache werden weiterführende Untersuchungen (Diagnostik) veranlasst bzw. zu einem Facharzt überwiesen (Claßen, 2018). So gut wie immer sollte aber bereits eine Therapie mit Stuhlweichmachern (z.B. Macrogol) begonnen werden.

Was erwartet euch beim Facharzt?

Viele Eltern sind beunruhigt und haben großen Respekt vor dem Besuch beim Facharzt (Facharzt für Kindergastroenterologie oder Kinderchirurgie). Vor allem bei Kindern, die bereits im ersten Lebensjahr Probleme bekommen, ist dies aber auf jeden Fall angezeigt.

Für Spezialisten reicht es oft aus, ein ausführliches Gespräch mit den Eltern zu führen, das Kind gründlich zu untersuchen und/oder einen Ultraschall vom Bauch zu machen, um organische Ursachen auszuschließen. Zusätzlich gibt es verschiedene weiterführende Untersuchungen, die im Anschluss möglicherweise veranlasst werden können. Falls es bereits Befunde oder Fotos gibt, bitte nimm diese unbedingt mit zu Eurem ersten Termin.

Der Facharzt wird zu Beginn ein sehr ausführliches Gespräch (Anamnese) mit dir führen. Er wird dir dafür zum Beispiel zu folgenden Dingen Fragen stellen:

  • aktuelle Beschwerden
  • wann haben diese begonnen bzw. sind wieder aufgetreten
  • Geburt (Vaginal, Kaiserschnitt)
  • Abgang des Kindspeches (Mekonium)
  • Erkrankungen in der Familie (z.B. MH, Verstopfung, Enkopresis)
  • wird/wurde dein Kind gestillt
  • bekommt/bekam dein Kind Milchpulver
  • Stuhlgang während der Stillzeit
  • Probleme bei der Umstellung Stillen/Milchpulver
  • Auffälligkeiten als Baby
  • Stuhlgang zu Beginn der Beikost
  • Stuhlgang bei Einführung von Milch(produkten)
  • Ess- und Trinkgewohnheiten
  • Sauberkeitserziehung
  • Auffälligkeiten beim Sauberwerden
  • Stuhlverhalten (Häufigkeit und Dauer des Stuhlabsatzes)
  • Stuhleigenschaften (Menge, Konsistenz, Form und Geruch des Stuhles)
  • Stuhltagebuch (um Fortschritte festzuhalten)
  • Blutauflagerungen auf dem Stuhl
  • sonstige Erkrankungen/Auffälligkeiten
  • Medikamenteneinnahme des Kindes

Im Anschluss sollte er dein Kind körperlich untersuchen:

  • Größe und Gewicht bestimmen
  • den Bauch anschauen/abtasten (palpieren) und eventuell dem Kind zeigen, wie es selbst den Stuhl im Darm fühlen kann
  • den Bauch abklopfen (perkutieren)
  • den Rücken anschauen/abtasten
  • den Popo anschauen
  • rektale Untersuchung (optional)

Merke

Eine rektale Untersuchung sollte bei traumatisierten Kleinkindern mit schmerzhaften Erlebnissen in Zusammenhang mit dem Stuhlabsatz nur mit Einverständnis des Kindes oder in Sedierung (z.B. auch in Kombination mit weiterer Diagnostik) durchgeführt werden, um das anale Trauma nicht zu vergrößern (Claßen, 2018). In manchen Fällen ist eine rektale Untersuchung zum Ausschluss bestimmter Erkrankungen (Stenosen) jedoch zwingend notwendig. Eine sorgfältige Inspektion der Anogenitalregion ist aber jedenfalls immer erforderlich.

Mögliche weitere Untersuchungen beim Facharzt

Falls nicht bereits beim Kinderarzt erfolgt, kann der Facharzt folgende Untersuchungen machen bzw. einleiten

Ultraschalluntersuchung (Sonografie):

Das wichtigste nicht-invasive Instrument zur Beurteilung einer chronischen Verstopfung bei Kindern, ist eine Ultraschalluntersuchung. Zum einen können angeborene Fehlbildungen des Darmtraktes (Gastrointestinaltrakt) bzw. des Harntraktes (Urogenitaltrakt) erhoben werden. Zum anderen kann festgestellt werden, ob das Rektum erweitert ist oder nicht.  Misst der Durchmesser mehr als 25x25mm, so spricht man von einer Erweiterung (Von Gontard, 2010). Ein Durchmesser von mehr als 30mm ist mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einer chronischen Verstopfung assoziiert (Joensson et al., 2007). Erweiterungen müssen jedoch immer in Abhängigkeit des Alters und des Füllungszustandes des Darmes interpretiert werden.

Bei einem erweiterten Rektum sieht man weitere typische Befunde, die sogenannten rekto-vesikalen Impressionen. Die Stuhlmassen drücken von hinten auf die Blase deren Kontur dadurch entsprechend verändert ist. Zum Teil wird die Blase durch die Stuhlmassen komplett in den rechten Unterbauch verschoben.

TIPP

Falls dein Kind sich nicht auf die Liege legen will, um einen Ultraschall machen zu lassen, kannst du versuchen dich mit deinem Kind gemeinsam hinzulegen. Du auf der Liege, dein Kind auf dir drauf. So funktioniert es meist besser. Ein tolles Spielzeug als Ablenkung hilft auch sehr oft dabei, liegen zu bleiben.

Blutuntersuchung:

Welche Parameter könnten bestimmt werden?

  • TSH, fT4 und fT3 (Schilddrüsenwerte)
  • Kalium
  • Calcium
  • Kreatinin
  • Gewebstransglutaminase-IgA-AK (bei Verdacht auf Zöliakie)
  • Gesamt-IgA (bei Verdacht auf Zöliakie)

Stuhluntersuchung:

Welche Parameter könnten bestimmt werden?

  • Pankreaselastase
  • Calprotectin
  • Blut im Stuhl
  • Einzeller
  • Endoparasiten

Mögliche weiterführende Untersuchungen

Bei Hinweisen für organische Störungen:

  • Schweißtest (zum Ausschluss von Mukoviszidose)
  • Colon- Kontrastmitteleinlauf (Irrigoskopie, bei Verdacht auf MH)
  • Untersuchung in Narkose – inklusive Biopsie (Schleimhaut- oder Vollwand-Probeentnahme des Enddarmes, bei Verdacht auf MH)
  • MRT des unteren Teiles der Wirbelsäule und Beckenbodens (bei Verdacht auf neurogene Störung oder anorektaler Fehlbildungen)
  • Colon- oder Rektalmanometrie (nur in wenigen Zentren möglich und nur in ausgewählten Fällen sinnvoll)
  • Kolon-Transitzeitbestimmung mit röntgendichten Pellets