Wie entsteht die Enkopresis mit Verstopfung

Bei der Enkopresis mit chronischer Verstopfung ist die Ursache relativ einfach erklärt.

Den Ursprung hat das Ganze meistens darin, dass der Stuhlabsatz des Kindes einmal unangenehm war bzw. Schmerzen bereitet hat. Vielleicht war der Stuhl etwas härter als sonst – Ursachen dafür gibt es sehr viele – oder der Po war wund. Aufgrund dessen fangen viele Kinder an, das was beim letzten Mal als schmerzhaft empfunden wurde, zu vermeiden.

Wenn der Nahrungsbrei aus dem Dünndarm – wo ihm die Nähstoffe entzogen und diese in die Blutbahn aufgenommen werden – in den Dickdarm kommt, ist er noch sehr flüssig. Erst im Dickdarm wird ihm Flüssigkeit entzogen und der „Stuhl“ – so wie wir ihn kennen – entsteht. Wenn dein Kind nun versucht, den Stuhlgang hinauszuzögern, bleibt der Stuhl länger als von Natur aus vorgesehen im Dickdarm. Dadurch wird dem Stuhl automatisch mehr Wasser entzogen, der Stuhl wird fester. Der nächste Stuhlgang wird somit unweigerlich wieder unangenehm, was das Kind darin bestätigt, das Ganze in Zukunft besser zu vermeiden. Der nächste Stuhl wird also wieder verdrückt, dadurch noch länger im Dickdarm gehalten, dieser entzieht weiterhin Wasser.

Somit kommt es zu einem Teufelskreis aus eingedicktem Stuhl, Schmerzen beim Stuhlabsatz, vermehrtem Zurückhalten, noch mehr Schmerzen beim Stuhlabsatz bis hin zu schmerzhaften Einrissen der Haut- oder Schleimhaut des Afters (Analfissuren), Blut am Stuhl oder am Po, teilweise bis hin zur kompletten Verweigerung des Kindes, Stuhl abzusetzen. Auch wenn der Auslöser längst beseitigt ist. Aus dem Problem im Enddarm ist ein psychisches Problem bzw. „Kopfproblem“ geworden!

Spätestens zu diesem Zeitpunkt, können Eltern oft sogenannte „Rückhaltemanöver“ ihres Kindes erkennen, mit dem es versucht, den Stuhlganz zu verhindern. Diese Rückhaltemanöver werden jedoch von der Umwelt sehr oft als „Pressen auf Stuhl“ missinterpretiert. Z.B.:

  • Beine überkreuzen
  • Körper anspannen und durchstrecken (im Stehen oder im Liegen)
  • Pobacken anspannen
  • auf Zehenspitzen stehen
  • auf die Hand/Faust/Fersen setzen
  • hin und her hüpfen
  • in Hockstellung kauern
  • auf den Bauch legen

Aus diesem Teufelskreis entsteht in weiterer Folge oft eine massive Traumatisierung im Analbereich und die große Angst des Kindes vor Schmerzen in eben diesem.

Aber es geht leider noch weiter:

Durch das Zurückhalten und die Weigerung, Stuhl abzusetzen, werden oft nur sehr geringe Mengen an Stuhl ausgeschieden. Manche Eltern denken an dieser Stelle auch, dass ihr Kind gar keine Verstopfung haben kann, weil es ja täglich oder zumindest regelmäßig Stuhl absetzt. Oftmals ist es aber nur ein kleiner Teil dessen, was eigentlich im Darm vorhanden wäre und „bereit“ zur Ausscheidung. Der Rest verbleibt im Rektum bzw. im Dickdarm und wird „gesammelt“.

Durch die sich ansammelnden Stuhlanteile erweitert sich erst das Rektum, in weiterer Folge auch der Dickdarm (Colon). Der Dickdarm dehnt sich immer weiter aus, wodurch die Wahrnehmung der Darmwand nachlässt. Die Kinder merken gar nicht mehr, dass sie so viel Stuhl im Darm haben. Zusätzlich lässt die Eigenbewegung (Peristaltik) des Darmes nach, d.h. der Stuhl wird nicht mehr so rasch weitertransportiert, sondern verbleibt über lange Zeit im Dickdarm. Aus vielen Untersuchungen weiß man, dass die Verbleibzeit des Stuhles im Dickdarm (Colon-Transit-Zeit) bei Kindern mit chronischer Verstopfung erheblich verlängert ist. Durch diesen langen Darmaufenthalt bilden sich große, feste Klumpen, teilweise auch richtige „Kotsteine“ (Skybala). Diese Klumpen verbleiben im Darm, während frischer – noch flüssiger – Stuhl nachrückt, zwischen diesen Klumpen durchrinnt und zum Einkoten oder Stuhlschmieren führen kann (Von Gontard, 2010).

Viele Kinder zeigen zudem ein paradoxes Stuhlentleerungsverhalten (Defäkationsverhalten). Das bedeutet, dass sie während des Pressens zur Stuhlentleerung – meist unbewusst! – den äußeren Schließmuskel und einen Teil der Beckenbodenmuskulatur anspannen, anstatt – wie üblicherweise – diese zu entspannen (Van der Plas et al., 1996).

Es bedarf schneller und qualifizierter Hilfe, damit der Teufelskreis durchbrochen werden kann, und die chronische Verstopfung (Obstipation) nicht zu sozialen Konflikten innerhalb der Familie und im Umfeld führt!

Ganz genau, kannst du dir das in einem großartigen Video der Gesellschaft für pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung e.V. (GPGE) anschauen: https://www.youtube.com/watch?v=_4IQA85B4BE