Ziel der Therapie ist ganz klar das Erreichen der vollständigen Kontinenz deines Kindes. Wenn eine komplette Kontinenz nicht erreichbar ist, dann sollte zumindest eine „soziale Kontinenz“ erreicht werden.

Soziale Kontinenz

Unter sozialer Kontinenz versteht man das Kontinent sein eines Kindes mit Enkopresis im sozialen Umfeld, also außerhalb von „zuhause“. Dadurch sollen psychische Auswirkungen durch die negativen Reaktionen von Mitmenschen (z.B. Ausgrenzung, Hänseleien, Mobbing) vermieden werden.

Bevor diese fokussiert wird, muss unbedingt sichergestellt sein, dass eine umfangreiche Abklärung einer möglichen organischen Ursache und ausreichende Versuche konservativer medikamentöser Therapie erfolgt sind. Erst wenn mittels medikamentöser Therapie keine Erfolge zu erreichen sind, die einen windel- und sorgenfreien (Schul-)Alltag gewährleisten, sollte eine Therapie zur Erreichung einer sozialen Kontinenz begonnen werden.

Bei dieser Therapie kommen in erster Linie rektale Spülsysteme zum Einsatz. Diese sollen den Darm durch eine tägliche Darmspülung soweit entleeren, dass es für 24-48 Stunden zu keiner unfreiwilligen Stuhlentleerung kommt. Die Kinder können ihren Alltag dadurch normal leben ohne sich tagsüber um den Stuhlverlust zu sorgen. Für diese Therapie ist jedoch unbedingt das Einverständnis und die Mitarbeit der Kinder notwendig.

Als Alternative zur rektalen Spülung besteht die Möglichkeit, ein Spülstoma anzulegen. Beispielsweise über die Verbindung des Wurmfortsatzes des Blinddarmes mit dem Bauchnabel. Hierbei erfolgen die Spülungen nicht von rektal, sondern “antegrad“ – also „von oben“ über einen durch den Nabel eingeführten Katheter.

Diese ist vorranging bei Kindern mit organischen Grunderkrankungen wie z.B. Spina bifida, anorektalen bzw. urologischen Fehlbildungen, Rückenmarkverletzungen oder einer Meningomyelocele (MMC) sinnvoll, aber auch der postoperative und idiopathische chronische Stuhlverhalt in sämtlichen Altersklassen gilt als Indikation (Curry et al., 1999; Malone et al., 1998; Webb et al, 1998).

Experimentellere Ansätze stellen beispielsweise auch nervenstimulierende Therapiemethoden dar, hierbei soll die Beckenbodenfunktion durch Stimulation gewisser Nerven, welche die Beckenbodenmuskulatur aktivieren, verbessert werden. Diese Therapiemethoden werden derzeit noch voranging im Rahmen von Studien durchgeführt.