Welche weiteren Therapie-Optionen gibt es?

Stimulative Laxantien

Dies sind Medikamente, die die Darmaktivität erhöhen.

Wenn osmotische Laxantien, wie z.B. Macrogol allein bei der Behandlung von chronischer Verstopfung bei Kindern nicht ausreichen, können – in seltenen Fällen –  zusätzlich oder auch als Zweitlinienbehandlung stimulierende Abführmittel (stimulative Laxantien) eingesetzt werden. Diese sollten aber nur nach Verordnung durch einen spezialisierten Facharzt zum Einsatz kommen. Bitte halte bezüglich Indikation, Wirkung und Dauer einer solchen Therapie unbedingt Rücksprache mit deinem Facharzt. Solltest du bisher keinen Facharzt haben, findest du diesen vielleicht in unserer Ärzte-Datenbank.

Hierzu gehören z.B.:

  • Bisacodyl (Dulcolax)
  • Natriumpicosulfat (z.B. Guttalax, Picoprep)
  • Senna-Präparate (z.B. Darmol, Senokot, X-prep)

Bezüglich Indikation, Wirkung und Dauer einer solchen Therapie empfehlen wir jedenfalls die Rücksprache mit deinem Facharzt.

Physiotherapie

Beckenboden-Physiotherapie ist keine Therapie, die routinemäßig zum Einsatz kommt. Sie kann aber als Ergänzung in Betracht gezogen werden. Meistens handelt es sich dabei um Therapieprogramme mit mehreren Komponenten. Dabei kommen Übungen zur Verbesserung des Verhaltens beim Stuhlabsatz, für die Muskulatur des Beckenbodens und Wahrnehmungstraining zum Einsatz (van Mill et al., 2019).

Neuere Studien zur Wirksamkeit von Beckenboden-Physiotherapie bei Kindern mit chronischer Verstopfung und Stuhlinkontinenz sind Erfolgsversprechend (van Engelenburg-van Lonkhuyzen et al., 2017; van Mill et al., 2019).

Wenn du für dein Kind eine Physiotherapie verordnet bekommst, bitte such dir eine/n Physiotherapeut/in, der/die Erfahrung mit Kindern und eine spezielle Ausbildung für den kindlichen Beckenoden hat. Diese findest du entweder auf der Therapeut/innen-Liste der SoMA e.V. Deutschland oder bei der AG GGUP.

Rektale Spülsysteme (z.B. Peristeen)

Rektale Spülsysteme (Irrigationssysteme) dienen dazu, den Darm mit einer gewissen Menge an Flüssigkeit zu spülen und somit von Stuhl zu befreien. Dafür wird ein Rektal-Katheter von rektal in den Darm eingeführt und die Flüssigkeit in den Darm geleitet. Dies wird am einfachsten auf der Toilette durchgeführt. Die Flüssigkeit stimuliert die Muskeln im Darm und spült den Stuhl aus. Dies kann die untere Hälfte des Darmes so effizient entleeren, dass der Stuhlverlust bis zu zwei Tage verhindert werden kann. Die Anwendung von Spülsystemen minimiert somit die Wahrscheinlichkeit eines unfreiwilligen Stuhlabganges und/oder einer Verstopfung, ermöglicht somit eine „soziale Kontinenz“ und die Ausübung eines uneingeschränkten Tagesablaufes ohne der Sorge, Stuhl zu verlieren

Die Anwendung erfolgt bei jüngeren Kindern durch die Eltern – hier ist jedoch unbedingt das Einverständnis und die Mitarbeit der Kinder notwendig. Später bzw. im Fall von bereits etwas älteren Kindern kann die Spülung auch selbstständig durchgeführt werden. Sie entscheiden somit selbst, wann und wo sie Ihren Darm entleeren möchten und können wieder unbeschwerter am Alltag teilnehmen.

Vor der Anwendung rektaler Spülsysteme ist unbedingt eine genaue Untersuchung und Einschulung durch medizinisches Fachpersonal unbedingt erforderlich.

Weitere Optionen

In extremen bzw. therapieresistenten Fällen können weitere Therapie-Optionen in Betracht gezogen werden. Diese sind zum Teil jedoch invasiv, sollten erst nach Ausschöpfen aller anderer Optionen zum Einsatz kommen und ausschließlich in Kliniken mit dementsprechender Erfahrung durchgeführt werden:

  • Botulinum Toxin A (Botox) Injektionen in den Schließmuskel
  • Chirurgische Eingriffe (z.B. Spülstoma)