Leider haben wir in unserer Selbsthilfegruppe die Erfahrung gemacht, dass Kinderärzte und Apotheker immer noch sehr gerne in erster Instanz zu Zäpfchen, Einläufen und Lactulose raten. Diese Therapieansätze entsprechen allerdings nicht mehr den aktuellen Empfehlungen der Literatur. Zäpfchen und auch Einläufe sind in den meisten Fällen nicht notwendig und sogar kontraproduktiv! Diese traumatisieren die Kinder oft zusätzlich und verschlimmern das Problem somit mehr, als sie helfen. Warum das so ist, kannst du hier lesen.

Osmotische Laxantien (Stuhlweichmacher)

Macrogol

Macrogol 3350 bzw. 4000 (auch Polyethylenglykol (PEG) genannt) ist mit Abstand das Mittel der ersten Wahl bei der Therapie einer Verstopfung bei Kindern. Es bindet Wasser, das im Nahrungsbrei vorhanden ist, hält es im Darm fest und macht den Stuhl somit weicher. Es erhöht gleichzeitig das Stuhlvolumen, regt dadurch die Darmtätigkeit an und wirkt abführend (laxierend). Es kann aufgrund seiner Molekülgröße weder über die Darmschleimhaut in den Körper aufgenommen noch abgebaut werden. Es wird also unverändert mit dem Stuhl wieder ausgeschieden. Wenn du mehr über Macrogol und seine empfohlene Dosierung wissen möchtest, lies bitte hier weiter.

Lactulose

Obwohl Lactulose bei Kindern häu­fig verschrieben wird, gibt es wenig Evidenz über die Wirksamkeit und es zeigt sich in Studien deutlich weniger wirksam als Macrogol. Es wird als Mittel der zweiten Wahl empfohlen, wenn Macrogol nicht verfügbar ist (Tabbers et al., 2014). Lactulose ist also nicht das Mittel der ersten Wahl in der modernen Therapie der chronischen Verstopfung bei Kindern. Wenn du mehr über Lactulose wissen möchtest, lies bitte hier weiter.

Zäpfchen und Einläufe

Wenn du deinem Kind zuhause unbedingt eines der eingangs genannten Dinge verabreichen möchtest, dann bitte tu das ausschließlich dann, wenn dein Kind ausdrücklich damit einverstanden ist. Niemals gegen den Willen Deines Kindes! Zusätzlich kannst du im Vorfeld eine sogenannte „Betäubungscreme“ (z.B. EMLA, Lidocain) auf den Anus auftragen.

Manche Kliniken arbeiten im Rahmen einer stationären Aufnahme mit Einläufen. Diese werden eingesetzt, um den Darm leer zu bekommen und sollten ebenfalls niemals gegen den Willen Deines Kindes erfolgen. Es gibt die Möglichkeit diese Einläufe unter Sedierung mit z.B. Midazolam (Dormicum) zu verabreichen. Dies hat nicht nur den Vorteil, dass es für dein Kind nicht traumatisierend ist, sondern auch den, dass dein Kind viel entspannter ist und den angestauten Stuhl einfacher entleeren kann.

Mehr darüber kannst Du hier lesen.

Stimulative Laxantien

Dies sind Medikamente, die die Darmaktivität erhöhen. Sie können in seltenen Fällen – und nur nach Verordnung durch einen spezialisierten Facharzt – zum Einsatz kommen.  Hierzu gehören z.B.:

  • Bisacodyl (Dulcolax)
  • Natriumpicosulfat (z.B. Guttalax, Picoprep)
  • Senna-Präparate (z.B. Darmol, Senokot, X-prep)

Bezüglich Indikation, Wirkung und Dauer einer solchen Therapie empfehlen wir jedenfalls die Rücksprache mit deinem Facharzt.

Die „2 goldenen Regeln

Ein unglaublich wichtiger und oft sehr unterschätzter Punkt ist die Art und Weise, wie wir als Eltern mit dem ganzen Thema umgehen. Jeder der ein Kind mit chronischer Verstopfung hat weiß, wie machtlos, verzweifelt und hilflos man neben seinem Kind steht, während dieses vor Schmerzen schreit, die Pobacken zusammenkneift und mit aller Kraft versucht zu verhindern, dass der Stuhl seinen Weg nach draußen findet. In solchen Situationen sind Sätze wie z.B. folgende sehr schnell ausgesprochen:

  • Lass es einfach raus
  • Komm, du musst doch Gaki machen
  • Das Gaki muss raus
  • Drück einmal fest und dann hast du es hinter dir!
  • Da musst du jetzt durch

Ständig ist man versucht, sein Kind daran zu erinnern und zu ermutigen, Stuhl abzusetzen:

  • Musst du nicht…
  • Warst du heute schon…
  • Geh doch mal…
  • Du musst doch bestimmt…
  • Ich sehe doch, dass du musst…

Leider verbessert keiner dieser Sätze eure Situation. Im Gegenteil. Es baut zusätzlichen Druck auf und führt zu Frust und Verzweiflung auf beiden Seiten. Aus diesem Grund haben wir die „2 goldenen Regeln“ aufgestellt:

1. Klappe halten:

Wenn du merkst, dein Kind beginnt mit seinem typischen Vermeidungsverhalten um den Stuhlgang zu verhindern: Tu so, als würdest du sein Verhalten nicht bemerken. Sei für dein Kind da, begleite Es, wenn es dich braucht. Halte Händchen, streichle den Rücken, was auch immer deinem Kind hilft. ABER: kommentiere nicht, was du siehst.

UND: Sprich nicht mehr über das Thema. Weder MIT deinem Kind noch VOR deinem Kind. Ja, das ist schwer. Für viele Eltern sogar sehr schwer. Aber es hilft. Weil es Druck von deinem Kind nimmt und die Situation oft binnen kürzester Zeit merklich entspannt.

2. Genug Stuhlweichmacher ins Kind

Das noch wichtigere ist, dass dein Kind keine Schmerzen beim Stuhlgang mehr hat. Und das zuverlässig und täglich. Um das zu gewährleisten muss der Stuhl weich sein. Und zwar so weich, dass er keine Schmerzen mehr verursachen KANN. Wie du den Stuhl weich hältst, ist natürlich deine bzw. die Entscheidung deines Arztes. Am besten, einfachsten und zuverlässigsten klappt das jedoch mit Macrogol.

Toilettentraining

Das Toilettentraining ist ein sehr wichtiger Punkt in der Therapie der chronischen Verstopfung bei Kindern. Dafür solltet ihr den sogenannten gastrokolischen Reflex ausnützen. Dabei werden während dem Essen Rezeptoren in Mund, Speiseröhre und Magen aktiviert. Diese Rezeptoren geben Informationen an den Dickdarm weiter, was in weiterer Folge dazu führt, dass im Dickdarm starke Kontraktionen ausgelöst werden. Dadurch wird der Inhalt des Dickdarmes in den Enddarm geschoben, was wiederrum dazu führt, dass dieser gedehnt wird und Stuhldrang ausgelöst wird.

Um diesen Reflex optimal ausnützen zu können, macht es Sinn, wenn dein Kind nach den großen Mahlzeiten eine gewisse Zeit auf dem Töpfchen oder der Toilette verbringt. Sehr wichtig ist dabei, dass dein Kind keine Schmerzen beim Stuhlgang hat und freiwillig mitmacht. Wie ihr das am besten angeht, kannst du hier lesen.