Weitere Therapie-Optionen bei nicht-retentiver Stuhlinkontinenz

Stimulative Laxantien

Dies sind Medikamente, die die Darmaktivität erhöhen. Sie können in seltenen Fällen – und nur nach Verordnung durch einen spezialisierten Facharzt – zum Einsatz kommen.  Hierzu gehören z.B.:

  • Bisacodyl (Dulcolax)
  • Natriumpicosulfat (z.B. Guttalax, Picoprep)
  • Senna-Präparate (z.B. Darmol, Senokot, X-prep)

Bezüglich Indikation, Wirkung und Dauer einer solchen Therapie empfehlen wir jedenfalls die Rücksprache mit deinem Facharzt. Mehr zu den stimulativen Laxantien findest du hier.

Mittels stimulativer Laxantien kann eine gezielte vollständige Entleerung zu gewissen Zeiten angestrebt werden. Hierbei können unterschiedliche Medikamente zum Einsatz kommen, wobei in manchen Fällen auch osmotische Laxantien oder Quell-/Ballaststoffe kombiniert werden.

Peristaltikhemmer (z.B. Loperamid)

Peristaltikhemmer verringern die Darmbewegung und verlängern somit die Verweildauer des Stuhles im Darm. Dadurch wird dem Stuhl mehr Flüssigkeit entzogen und er wird kompakter. Sie können somit zur symptomatischen Behandlung von Durchfallerkrankungen verschiedener Ursache eingesetzt werden. Loperamid wirkt vorwiegend lokal im Darm und zeichnet sich durch einen raschen Wirkungseintritt und eine lange Wirkungsdauer aus.

Auch in der Therapie der Enkopresis ohne Verstopfung kann dieser Effekt ausgenützt werden, da der Stuhl durch seine kompaktere Konsistenz besser zu kontrollieren ist.

Zu den häufigsten möglichen unerwünschten Wirkungen gehören Verstopfung, Blähungen, Kopfschmerzen, Übelkeit und Schwindel.

Psychologische Betreuung

Da bei der Enkopresis ohne Verstopfung primär psychische Ursachen im Fokus stehen, es aber auch zusätzlich oft zu sozialen Konflikten, Isolation und Abschottung kommt, ist eine psychologische Betreuung von Eltern und Kindern durchaus sinnvoll.

Im Kindesalter und in besonderem Maße bei Pubertierenden entsteht teilweise ein erheblicher Leidensdruck (Gerharz et al., 2002), der nicht selten weitere psychische Folgen nach sich zieht.

CO2 Zäpfchen

Manche Spezialisten setzen in der Enkopresis Therapie sogenannte CO2 Zäpfchen (z.B. Lecicarbon) ein. Die Zäpfchen produzieren nach dem Einführen in den Enddarm Kohlensäure. Diese wirkt durchblutungsfördernd auf die Schleimhaut, regt die Darmbewegung an und steigert die Bereitschaft zur Stuhlentleerung. Mit Hilfe dieser Zäpfchen kann eine gezielte Darmentleerung herbeigeführt werden. Dies sollte aber ausschließlich mit dem Einverständnis deines Kindes erfolgen.

Rektale Spülsysteme (z.B. Peristeen)

Rektale Spülsysteme (Irrigationssysteme) dienen dazu, den Darm mit einer gewissen Menge an Flüssigkeit zu spülen und somit von Stuhl zu befreien. Dafür wird ein Rektal-Katheter von rektal in den Darm eingeführt und die Flüssigkeit in den Darm geleitet. Dies wird am einfachsten auf der Toilette durchgeführt. Die Flüssigkeit stimuliert die Muskeln im Darm und spült den Stuhl aus. Dies kann die untere Hälfte des Darmes so effizient entleeren, dass der Stuhlverlust bis zu zwei Tage verhindert werden kann. Die Anwendung von Spülsystemen minimiert somit die Wahrscheinlichkeit eines unfreiwilligen Stuhlabganges und/oder einer Verstopfung, ermöglicht somit eine „soziale Kontinenz“ und die Ausübung eines uneingeschränkten Tagesablaufes ohne der Sorge, Stuhl zu verlieren

Die Anwendung erfolgt bei jüngeren Kindern durch die Eltern – hier ist jedoch unbedingt das Einverständnis und die Mitarbeit der Kinder notwendig. Später bzw. im Fall von bereits etwas älteren Kindern kann die Spülung auch selbstständig durchgeführt werden. Sie entscheiden somit selbst, wann und wo sie Ihren Darm entleeren möchten und können wieder unbeschwerter am Alltag teilnehmen.

Vor der Anwendung rektaler Spülsysteme ist unbedingt eine genaue Untersuchung und Einschulung durch medizinisches Fachpersonal unbedingt erforderlich.

Spülstoma (z.B. MACE)

Eine Alternative zur rektalen Spülung stellt die Anlage eines sogenannten Spülstomas da. Ein Spülstoma ist ein künstlicher Darmzugang der z.B. über die Verbindung des Wurmfortsatzes des Blinddarmes mit dem Bauchnabel hergestellt wird. In diesen Zugang wird ein Katheter eingeführt, worüber in weiterer Folge der Darm gespült werden kann. Hierbei erfolgen die Spülungen nicht rektal von Anus aus „entgegen der Richtung“, sondern “antegrad” – also in „die richtige Richtung“, über den durch den Nabel eingeführten Katheter um eine möglichst vollständige Entleerung des Colons (Dickdarm) zu erreichen.

Die in der Praxis am häufigsten angewendete Technik ist die sogenannte MACE-Technik (Malone-antegrade-colonic-enema-Technik). Diese ist vorranging bei Kindern mit organischen Grunderkrankungen wie z.B. Spina bifida, anorektalen bzw. urologischen Fehlbildungen, Rückenmarkverletzungen oder einer Meningomyelocele (MMC) sinnvoll, aber auch der postoperative und idiopathische chronische Stuhlverhalt in sämtlichen Altersklassen gilt als Indikation (Kelly, 2019; Curry et al., 1999; Malone et al., 1998; Webb et al, 1998).